Technischer RatgeberSicherheit & Einbruchschutz
Einbruchschutz an der Tür: Widerstandsklassen und Beschläge
- Einbruchschutz wird in Zeit gemessen: Die Widerstandsklasse (RC) gibt an, wie lange ein Produkt einem Einbruchsversuch standhält.
- Geprüft wird die ganze Tür: RC-Prüfungen erfolgen am kompletten Element, nicht am einzelnen Beschlag.
- Jedes Bauteil hat eine eigene Einbruchklasse im Klassifizierungsschlüssel: Schloss, Drücker, Bänder, Notausgangsverschluss.
- Schutzbeschläge nach DIN 18257 gibt es in den Klassen ES 1 bis ES 3; eine Zylinderabdeckung (ZA) ist eine eigene Ausführung.
- Fluchttüren: Bei Panikverschlüssen nach EN 1125 hat der Personenschutz Vorrang vor dem Einbruchschutz.
Mechanischer Einbruchschutz an der Tür bedeutet: Tür, Beschlag, Schloss und Bänder halten einem Einbruchsversuch eine bestimmte Zeit stand. Die Widerstandsklasse, abgekürzt RC für Resistance Class, gibt nach der Definition von GfS an, wie lange ein Produkt standhält, wenn ein bestimmter Tätertyp einen Einbruchsversuch unternimmt. Eine Tür mit „Einbruchhemmung nach Widerstandsklasse 2 (RC2)“ ist also eine Tür, deren Widerstand nach diesem Maßstab geprüft ist.
Dieser Ratgeber zeigt, wo der Einbruchschutz in den Normen der einzelnen Bauteile steht und worauf Sie bei Zylinder, Beschlag und Fluchttür achten.
Einbruchschutz wirkt nur als ganzes Türelement
Eine Widerstandsklasse gilt für das Türelement, nicht für ein einzelnes Teil. WSS schreibt zu einbruchhemmenden Türbändern: Türelemente in RC-Ausführung sind gemäß den Prüfzeugnissen und gutachterlichen Stellungnahmen der Systemgeber auszuführen; die Prüfungen erfolgen am kompletten Element. Auch die Bänder-Norm EN 1935 ordnet ein Band nur „in Abhängigkeit von der Bewertung des Beitrags der Bänder zur Einbruchhemmung der jeweiligen einbruchhemmenden Tür“ als geeignet ein.
Für die Praxis heißt das: Wer an einer geprüften einbruchhemmenden Tür ein Teil tauscht, hält sich an die Vorgaben des Systemgebers. Ein einzelner Beschlag macht aus einer ungeprüften Tür keine RC-Tür.
Wo der Einbruchschutz im Klassifizierungsschlüssel steht
Die Bauteilnormen weisen den Einbruchschutz jeweils an Stelle 7 ihres Klassifizierungsschlüssels aus. So lesen Sie die Angaben in Datenblatt und Leistungserklärung:
| Bauteil und Norm | Stelle 7 im Schlüssel | Klassen |
|---|---|---|
| Schloss und Schließblech, EN 12209 | Schutzwirkung und Anbohrwiderstand | Klasse 1 Mindestschutzwirkung bis Klasse 7 sehr hohe Schutzwirkung mit Anbohrwiderstand |
| Türdrücker und Knauf, EN 1906 | Einbruchschutz | 0 nicht, 1 gering, 2 mäßig, 3 stark, 4 extrem einbruchhemmend |
| Türbänder, EN 1935 | Einbruchhemmung | 0 nicht geeignet, 1 geeignet je nach Beitrag zur einbruchhemmenden Tür |
| Notausgangsverschluss, EN 179 | Einbruchschutz | Klasse 2 bis 5: 1.000 N bis 5.000 N |
| Panikverschluss, EN 1125 | Einbruchschutz | nur Klasse 2 |
Die EN 12209 heißt vollständig „Mechanische Schlösser und Schließbleche“: Das Schließblech gehört zur Prüfung des Schlosses dazu. Die Klassen 5 und 7 schließen dort einen Anbohrwiderstand ein, die anderen nicht.
Zylinder und Beschlag: Schutzbeschlag, Zylinderabdeckung, Ziehschutz
Schutzbeschläge werden nach DIN 18257 in die Klassen ES 1, ES 2 und ES 3 eingeteilt; ES steht für die einbruchhemmende Widerstandsklasse des Beschlags. Ein Herstellerkatalog ordnet sie den Türklassen so zu: ES 1 zu RC 2, ES 2 zu RC 3, ES 3 zu RC 4.
Wichtig beim Zylinder: Nicht jeder Schutzbeschlag deckt den Zylinder ab. In den Zertifikaten steht die Zylinderabdeckung als eigener Zusatz, zum Beispiel „ES 1-L“ für den Langschild-Schutzbeschlag und „ES 1-L-ZA“ für den Langschild-Schutzbeschlag mit Ziehschutz. Ein Kernziehschutz ist laut WSS eine drehbar gelagerte Zylinderabdeckung aus gehärtetem Metall in der Rosette oder dem Schild, die den Zylinderkern vor gewaltsamem Herausziehen schützt. Solche Abdeckungen sind für einen bestimmten Zylinderüberstand gebaut; der Zylinder muss also passend lang sein.
Für Profiltüren führen wir die KWS Schieberosetten mit Ziehschutz KWS 3460 und KWS 3461 (Zylinderüberstand 12 bis 16 mm bzw. 11 bis 14 mm) sowie die Schutzrosette mit Ziehschutz zum Durchschrauben KWS 3462 (12 bis 16 mm). Eine Klasse nach DIN 18257 gibt KWS für diese Rosetten nicht an. Mehr zu Klassen und Bauformen im Ratgeber Schutzbeschläge.

Schieberosette mit Ziehschutz für Profiltüren, gebaut für einen bestimmten Zylinderüberstand. Abbildung aus dem KWS-Katalog Baubeschläge.
Fluchttüren: Personenschutz geht vor
An Türen in Rettungswegen stehen Einbruchschutz und Flucht im Zielkonflikt. Bei Panikverschlüssen nach EN 1125 gibt es nur die Einbruchschutz-Klasse 2: Panikverschlüsse sind hauptsächlich für die Betätigung von innen vorgesehen, die Anforderungen an den Einbruchschutz sind gegenüber denen an den Schutz von Personen zweitrangig. Notausgangsverschlüsse nach EN 179 können dagegen Klasse 2 bis 5 erreichen.
Notausgänge müssen leicht zu öffnen und unverschlossen sein. Gegen unbefugtes Öffnen helfen deshalb keine zusätzlichen Riegel, sondern Geräte, die eine Öffnung melden: Ein Türwächter ist laut GfS kein Verschluss, sondern eine Alarmeinrichtung. Details in den Ratgebern DIN EN 179, DIN EN 1125 und im Sicherheitstechnik Ratgeber.
Überwachung ergänzt die Mechanik
Melder an der Tür erkennen, ob sie offen oder verriegelt ist. Ein Reed-Türkontakt überwacht die Öffnung, ein Riegelschaltkontakt die Verriegelung; Riegelschaltkontakte lassen sich laut Herstellerangabe zum Beispiel in eine Alarmanlage oder ein Gebäudeleitsystem einbinden. Für Einbruchmeldeanlagen tragen solche Bauteile teils eine VdS-Klasse; was das bedeutet, erklärt der Ratgeber Die VdS-Klassen A, B, C.
Aus dem Sortiment: die GfS Reed-Türkontakte für Einlass-Montage und Aufschraub-Montage sowie der GfS-Tagalarm, den GfS als einfachen Einbruchmelder mit optischem und akustischem Alarm bei unbefugtem Zutritt über Fenster und Terrassentüren beschreibt.
Häufige Fragen
Was bedeutet RC 2 bei einer Tür?
RC steht für Resistance Class, also Widerstandsklasse. Sie gibt an, wie lange ein Produkt einem Einbruchsversuch durch einen bestimmten Tätertyp standhält. RC 2 ist die Widerstandsklasse 2; geprüft wird das komplette Türelement.
Macht ein Schutzbeschlag meine Tür einbruchhemmend?
Nicht allein. Die Widerstandsklasse gilt für das komplett geprüfte Türelement. Ein Schutzbeschlag nach DIN 18257 ist ein Baustein davon; laut Herstellerkatalog passt ES 1 zu RC 2, ES 2 zu RC 3 und ES 3 zu RC 4.
Deckt jeder Schutzbeschlag den Zylinder ab?
Nein. Die Zylinderabdeckung ist eine eigene Ausführung, im Zertifikat am Zusatz „ZA“ zu erkennen, etwa „ES 1-L-ZA“. Ohne diesen Zusatz liegt der Zylinder frei.
Was ist ein Kernziehschutz?
Eine drehbar gelagerte Zylinderabdeckung aus gehärtetem Metall in Rosette oder Schild. Sie schützt den Zylinderkern vor gewaltsamem Herausziehen.
Woran erkenne ich den Einbruchschutz eines Schlosses?
An Stelle 7 des Klassifizierungsschlüssels nach EN 12209: Klasse 1 bis 7, die Klassen 5 und 7 mit Anbohrwiderstand. Bei Drückern nach EN 1906 steht der Einbruchschutz ebenfalls an Stelle 7, Klasse 0 bis 4.
Darf eine Fluchttür einbruchhemmend sein?
Ja, im Rahmen ihrer Norm. Notausgangsverschlüsse nach EN 179 gibt es in den Einbruchschutz-Klassen 2 bis 5, Panikverschlüsse nach EN 1125 nur in Klasse 2, weil dort der Schutz von Personen vorgeht.