Technischer RatgeberNotausgang & Panik
DIN EN 1125: Panikverschlüsse mit Betätigungsstange
- DIN EN 1125 regelt Panikverschlüsse mit horizontaler Betätigungsstange für Türen in Rettungswegen.
- Einsatz: Gebäude mit Publikumsverkehr, in denen Besucher die Tür nicht kennen und eine Panik wahrscheinlich ist.
- Bedienung: Griffstange oder Druckstange über mindestens 60 % der Türbreite, höchstens 80 N, bei Gegendruck höchstens 220 N.
- Panikstange und Schloss müssen gemeinsam zertifiziert sein; das Zertifikat des Schlosses listet die zugelassenen Stangen.
- Nach außen öffnend: Für nach innen öffnende Türen kennt EN 1125 keine Klasse.
DIN EN 1125 ist die europäische Norm für Panikverschlüsse mit horizontaler Betätigungsstange für Türen in Rettungswegen; sie legt Anforderungen und Prüfverfahren fest. Gemeint sind Paniktürverschlüsse, die mechanisch über eine horizontale Griffstange oder eine horizontale Druckstange betätigt werden und speziell für die Benutzung in Paniksituationen gebaut sind. Ob EN 1125 oder DIN EN 1125: Es ist dieselbe Norm, die Leistungserklärungen nennen sie etwa als „EN 1125:2008-04“ und „DIN EN 1125:2008-04“. Seit 2003 gilt sie europaweit.
Die Schwesternorm für Türen mit Drücker oder Stoßplatte ist DIN EN 179. Beide verfolgen dasselbe Ziel: Türen in Flucht- und Rettungswegen müssen sich jederzeit, mit einem Handgriff, von innen leicht und in voller Breite öffnen lassen.
Die Bezeichnung SN EN 1125 steht für die Schweizer Ausgabe dieser Europäischen Norm. Gemeint ist dieselbe Norm wie EN 1125 und DIN EN 1125, die Vorsilbe nennt nur die nationale Normungsorganisation.
Wo DIN EN 1125 gilt
Laut GfS findet EN 1125 in öffentlichen Gebäuden Anwendung, bei denen die Benutzer die Funktionen der Fluchttür nicht kennen und sie im Notfall ohne Einweisung öffnen müssen. WSS beschreibt Gebäude, in denen bei einer Gefahrensituation der Ausbruch einer Panik wahrscheinlich ist.
| Herstellerangabe | Einsatzbeispiele für EN 1125 |
|---|---|
| WSS | Schulen, Krankenhäuser, öffentliche Verwaltungen, Einkaufszentren, Flughäfen, Hotels, Theater, Kinos, Stadien, Diskotheken und Konzerthallen |
| GfS | Theater, Kinos, Opernhäuser, Diskotheken, Nachtclubs, Stadien, Flughäfen, Einkaufszentren, Kaufhäuser, Verwaltungsbauten, Ämter, größere Hotels |
Die Beispiele stammen aus Herstellerunterlagen, nicht aus dem Normtext. Die konkrete Festlegung, welche Norm an einer Tür gilt, unterliegt laut WSS dem Planer. GfS rät: im Zweifelsfall zur Sicherheit eine Panikstange einsetzen. Wie Sie zwischen beiden Normen unterscheiden, zeigt der Ratgeber EN 179 oder EN 1125.

Wo Paniktüren nach DIN EN 1125 eingesetzt werden und was sie erfüllen müssen. Abbildung aus dem GfS-Katalog.
Warum eine Stange und kein Drücker
In einer Paniksituation ist das Risiko hoch, dass Menschen einen Beschlag falsch bedienen. GfS schreibt dazu: Speziell bei Stromausfall (Dunkelheit) oder drängelnden Menschenmassen ist die Panikfunktion bei Türdrückern nicht mehr gegeben. Die Öffnungsfunktion muss deshalb über die gesamte Türbreite auch bei unsachgemäßer Betätigung gegeben sein.
Dazu kommt der Druck von hinten. Laut WSS muss im Notfall eine sichere Fluchtmöglichkeit auch unter gegebener Vorlast (Druck) gewährleistet sein. Die Leistungserklärung eines WSS-Panikverschlusses weist dafür zwei Freigabekräfte aus: höchstens 80 N bei unbelasteter Tür und höchstens 220 N, wenn die Tür mit 1.000 N belastet ist.
Anforderungen an Panikstange und Montage
| Merkmal | Anforderung |
|---|---|
| Betätigungsart | Typ A Griffstange, Typ B Druckstange |
| Länge der Stange | über mindestens 60 % der Türbreite |
| Freigabekraft | höchstens 80 N, bei Gegendruck höchstens 220 N |
| Einbauhöhe | 900 bis 1100 mm (EN 179/EN 1125 Anhang A) |
| Überstand der Stange | Klasse 1 bis 150 mm, Klasse 2 bis 100 mm |
| Einbruchschutz | nur Klasse 2: Der Schutz von Personen hat Vorrang |
| Anwendungsbereich | Klasse A, B, C; keine Klasse für nach innen öffnende Türen |
Aus den Montagehinweisen zur Norm: Verschlüsse mit Normalüberstand (Kategorie 2) sind zu verwenden, wo der Fluchtraum eingeschränkt ist oder die Tür nicht weiter als 90° öffnet. Die Stange wird so montiert, dass die größtmögliche Nutzbreite erreicht wird. Für Pendeltüren sind Paniktürverschlüsse nur vorgesehen, wenn der Hersteller es ausdrücklich angibt. Vor der Montage an einer Feuer- oder Rauchschutztür muss die Eignung über die Bescheinigung der Tür festgestellt werden.
Eine nach innen öffnende Fluchttür ist laut WSS nur nach EN 179 und nur einflügelig zulässig, mit Genehmigung der Baubehörde. Wer an einer Paniktür nach EN 1125 plant, plant also eine nach außen öffnende Tür.
Panikstange und Schloss: nur als zertifizierte Einheit
Panikstange und Schloss müssen gemeinsam zertifiziert sein. WSS schreibt, Panikbeschläge nach EN 1125 nur nach gültigem WSS-Zertifikat zu verwenden. Das Zertifikat der WSS-Rohrrahmenschlösser Serie 200 nach EN 1125 führt deshalb eine eigene Liste „Zugelassene Panikstangen“; je nach Stange ändert sich sogar eine Stelle im Klassifizierungsschlüssel (Überstand).
Im Sortiment finden Sie Panikschlösser, die WSS in Verbindung mit den im Zertifikat gelisteten WSS-Panikstangen nach EN 1125 zertifiziert hat, zum Beispiel das WSS Panik-Einsteckschloss Funktion E, Serie 200 und das WSS Panik-Einsteckschloss Funktion B für 2-flügelige Türen. Eine Panikstange ist derzeit nicht als eigener Artikel im Sortiment; die Stange muss zum Zertifikat des Schlosses passen. Welche Panikfunktion die richtige ist, erklärt der Ratgeber Panikschlösser: Funktionen, alle Schlösser stehen unter Panikschlösser.
Prüfung und Leistungserklärung nach DIN EN 1125
Paniktürverschlüsse werden bei einer notifizierten Stelle typgeprüft und nach System 1 bewertet, in den WSS-Unterlagen etwa durch das MPA NRW (0432) und das PIV Velbert (1309). Die geprüften Werte stehen in der Leistungserklärung des Herstellers. Beispiel WSS-Vollblatt-Panikverschlüsse:
| Merkmal | erklärte Leistung |
|---|---|
| Freigabedauer | unter 1 Sekunde |
| Wirksame Länge der Betätigungsstange | über 60 % der Öffnungsbreite |
| Freigabekräfte | höchstens 80 N unbelastet, höchstens 220 N bei mit 1.000 N belasteter Tür |
| Temperaturbereich | Betriebskräfte bei -10 °C und +60 °C höchstens 50 % über denen bei +20 °C |
| Dauerfunktionstüchtigkeit | Klasse 7: 200.000 Zyklen |
| Masse und Maße der Tür | bis 200 kg, Höhe bis 2520 mm, Breite bis 1320 mm |
Die Werte gelten für das genannte Produkt. Der Normtext selbst ist hier nicht verfügbar; für die Auswahl ist die Leistungserklärung des jeweiligen Verschlusses maßgeblich. Abweichende Türmaße können laut WSS in Sonderprüfungen nachgewiesen werden; die WSS-Schlösser der Serie 200 sind zum Beispiel für Türen bis 3.500 mm Höhe, 1.600 mm Breite und 400 kg geprüft.
Paniktür gegen Missbrauch sichern
Eine Paniktür darf nicht verschlossen werden, unbefugtes Öffnen lässt sich aber melden. Der GfS EH-Türwächter an Stangengriffen sitzt unter der Panikstange; GfS nennt dafür eine Zulassung nach DIN EN 1125 durch das MPA NRW, in Verbindung mit Panikschloss, Schließblech und Panikstange. Ohne Eingriff am Beschlag überwacht der GfS DEXCON für Druckstangen die Tür. Mehr dazu im Sicherheitstechnik Ratgeber.
Häufige Fragen
Was regelt DIN EN 1125?
Panikverschlüsse mit horizontaler Betätigungsstange für Türen in Rettungswegen, also Anforderungen und Prüfverfahren für Schloss und Stange als geprüfte Einheit. Die Hersteller ordnen sie Gebäuden zu, in denen mit Panik zu rechnen ist.
Was bedeutet Betätigung unter Vorlast?
Die Tür muss sich auch öffnen lassen, wenn Menschen von innen dagegen drücken. In der Leistungserklärung steht dafür eine eigene Freigabekraft, bei WSS höchstens 220 N an einer mit 1.000 N belasteten Tür.
Reicht ein Drücker in einem Kino?
Kinos nennen WSS und GfS als typischen Einsatzbereich für EN 1125, also für eine Paniktür mit Stange. Die Festlegung trifft der Planer; GfS rät, im Zweifelsfall eine Panikstange einzusetzen.
Muss die Panikstange vom selben Hersteller sein wie das Schloss?
Sie muss im Zertifikat des Schlosses als zugelassene Panikstange aufgeführt sein, denn Panikstange und Schloss müssen gemeinsam zertifiziert sein.
Darf eine Paniktür nach innen öffnen?
Nein. EN 1125 kennt keine Klasse für nach innen öffnende Türen. Eine einwärts öffnende Fluchttür ist laut WSS nur nach EN 179, nur einflügelig und mit Genehmigung der Baubehörde möglich.
Gibt es die DIN EN 1125 als PDF?
Der Normtext ist hier nicht verfügbar. Was ein Panikverschluss leistet, steht in der Leistungserklärung des Herstellers: Freigabekräfte, Länge der Stange, Dauerfunktion und zulässige Türmaße.
Was bedeutet SN EN 1125?
SN EN 1125 ist die Schweizer Ausgabe der Europäischen Norm EN 1125. Inhaltlich ist es dieselbe Norm wie DIN EN 1125, die Vorsilbe nennt nur die nationale Normungsorganisation.