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Türschließer einstellen
Einen Türschließer stellt man über Regulierventile am Gehäuse ein: Sie steuern Schließgeschwindigkeit, Endschlag und Öffnungsdämpfung. Die Schließkraft nach DIN EN 1154 wird davon getrennt über eine eigene Verstellung oder über das Gestänge verändert. Für die meisten Korrekturen genügt ein Innensechskantschlüssel und eine Viertelumdrehung pro Schritt. An Feststellanlagen für Brand- und Rauchschutztüren darf dagegen nur eine Fachkraft nach DIN 14677-2 arbeiten.
Welche Einstellungen hat ein Türschließer?
Ein hydraulischer Türschließer trennt den Schließvorgang in Zonen, die unabhängig voneinander reguliert werden. Welche Zonen vorhanden sind, hängt vom Modell ab.
- Schließgeschwindigkeit: der Hauptbereich vom weit geöffneten Türblatt bis kurz vor den Rahmen. Sie bestimmt, wie zügig die Tür zuläuft.
- Endschlag: die letzten Grad vor dem Rahmen. Der Endschlag sorgt dafür, dass Falle und Dichtung sicher einrasten, ohne dass die Tür zuschlägt. Beim dormakaba TS 93 und TS 97 ist er von 7 Grad bis 0 Grad stufenlos einstellbar.
- Öffnungsdämpfung, auch Backcheck genannt: bremst das Türblatt beim kräftigen Aufstoßen und schützt Wand und Beschlag. Beim dormakaba TS 83 und TS 73 V arbeitet sie selbstregulierend ab etwa 70 Grad Öffnungswinkel, beim GEZE TS 5000 ist sie hydraulisch einstellbar.
- Schließverzögerung: hält die Tür nach dem Loslassen kurz offen, damit Personen mit Rollstuhl oder Gehhilfe bequem passieren können. Beim TS 93 ist sie über ein eigenes Ventil im Bereich von 120 Grad bis 70 Grad regelbar, beim TS 83 optional erhältlich.
- Schließkraft: die Federvorspannung, ausgedrückt in den Größen EN 1 bis EN 7 nach DIN EN 1154. Sie ist keine Komfortfrage, sondern richtet sich nach Türbreite und Einbausituation.
Was vor dem Einstellen zu prüfen ist
Viele vermeintliche Schließerprobleme liegen nicht am Schließer. Prüfen Sie deshalb in dieser Reihenfolge, bevor Sie ein Ventil anfassen:
- Türblatt und Bänder: Hängt die Tür, schleift sie im Falz oder sind die Bänder ausgeschlagen, lässt sich das über den Schließer nicht ausgleichen.
- Schließblech und Falle: Trifft die Falle sauber ins Schließblech? Ein schlecht sitzendes Schließblech zwingt zu unnötig hoher Schließkraft.
- Dichtungen: Neue oder aufgequollene Dichtungen erhöhen den Widerstand spürbar, besonders bei Rauchschutztüren.
- Bodenluft und Luftdruck: In Treppenhäusern und Lüftungsanlagen wirkt Druck auf das Türblatt und verändert das Schließverhalten je nach Wetterlage.
Türschließer einstellen in fünf Schritten
- Ventile freilegen und identifizieren. Nehmen Sie die Abdeckhaube ab. Die Ventile sind mit Symbolen oder Ziffern gekennzeichnet, ihre Bedeutung steht in der Montageanleitung des Modells. Die Lage unterscheidet sich je nach Hersteller: Bei GEZE sitzt die Schließkraftverstellung am TS 4000 und TS 5000 vorn, am TS 3000 und TS 2000 seitlich.
- Schließgeschwindigkeit einstellen. Drehen Sie in kleinen Schritten, maximal eine Viertelumdrehung, und probieren Sie nach jedem Schritt aus dem vollen Öffnungswinkel. Im Uhrzeigersinn wird die Tür langsamer, gegen den Uhrzeigersinn schneller.
- Endschlag anpassen. Die Tür soll die letzten Zentimeter zügig genug überwinden, um Falle und Dichtung zu schließen, aber nicht schlagen. Bei Brand- und Rauchschutztüren hat die sichere Verriegelung Vorrang vor der Geräuschentwicklung.
- Öffnungsdämpfung setzen, falls vorhanden. Sie soll erst kurz vor der Endlage einsetzen, damit die Tür normal bedienbar bleibt.
- Funktion prüfen. Tür aus verschiedenen Winkeln loslassen, auch aus 15 Grad. Sie muss aus jeder Position vollständig ins Schloss fallen. Danach Abdeckhaube wieder aufsetzen.
Wichtig: Regulierventile niemals ganz herausdrehen. Sie sind keine Schrauben zum Entnehmen, sondern Drosseln im Ölkreislauf. Tritt Öl aus, ist der Schließer nicht mehr einstellbar, sondern ein Fall für den Austausch.
Schließkraft und EN-Größe richtig wählen
DIN EN 1154 definiert die Schließkraftgrößen EN 1 bis EN 7. Maßgeblich sind Türbreite, Türgewicht und Einbausituation. Als Orientierung gilt EN 2 bis 850 mm Türbreite, EN 3 bis 950 mm, EN 4 bis 1100 mm, darüber EN 5 bis EN 7. Außentüren mit Windlast und schwere Brandschutztüren brauchen eine Größe mehr als der reine Breitenwert nahelegt.
Moderne Schließer decken mehrere Größen ab und lassen sich innerhalb dieses Bereichs stufenlos verstellen:
- dormakaba TS 93: EN 2 bis 5 oder EN 5 bis 7, je nach Ausführung. Maximale Türblattbreite 1250 mm in EN 2 bis 5 und 1600 mm in EN 5 bis 7.
- dormakaba TS 92: stufenlos einstellbare Schließkraft, zwei unabhängig regulierbare Ventile für die Schließgeschwindigkeit, Türbreite bis 1100 mm.
- dormakaba TS 71: Sonderfall, die Schließkraft wird nicht über ein Ventil, sondern über das Drehen des Gestängescharniers angepasst. Das Modell hat zwei getrennte Geschwindigkeitsbereiche von 180 bis 15 Grad und von 15 bis 0 Grad.
- GEZE TS 5000: EN 2 bis 6 stufenlos, Verstellung vorn, Endschlag über Ventil, hydraulisch einstellbare Öffnungsdämpfung.
- GEZE TS 4000: EN 1 bis 6 stufenlos, Verstellung vorn.
- GEZE TS 3000 V: EN 1 bis 4 stufenlos, Verstellung seitlich.
- GEZE TS 2000 NV: EN 2 bis 4 stufenlos, Verstellung seitlich.
Bei Brand- und Rauchschutztüren ist die vom Türhersteller vorgegebene Mindestgröße verbindlich. Sie darf auch dann nicht unterschritten werden, wenn die Tür dadurch leichtgängiger würde. Wo eine niedrige Bedienkraft nach DIN 18040 gefordert ist, löst man den Zielkonflikt nicht über eine zu kleine EN-Größe, sondern über einen Freilauf-Türschließer oder eine Schließverzögerung.
Einstellpunkte nach Modell
Die Bezeichnung der Ventile ist herstellerabhängig, das Prinzip ist identisch. Diese Werte sind für die im Sortiment gängigen Serien dokumentiert:
- dormakaba TS 93: Endschlag 7 bis 0 Grad stufenlos, Schließverzögerung über Ventil im Bereich 120 bis 70 Grad, Öffnungsdämpfung serienmäßig, maximaler Öffnungswinkel 180 Grad bei Normalmontage auf der Bandseite.
- dormakaba TS 97: Endschlag 7 bis 0 Grad, serienmäßige mechanische Öffnungsbegrenzung, Baulänge 340 mm.
- dormakaba TS 83: selbstregulierende Öffnungsdämpfung ab etwa 70 Grad, Schließverzögerung optional, Türbreite bis 1600 mm.
- dormakaba TS 73 V: selbstregulierende Öffnungsdämpfung, Türbreite bis 1100 mm. Beim TS 73 EMF ist der Feststellpunkt frei wählbar und muss nicht eingestellt werden.
- GEZE TS 5000 und TS 4000: Schließkraftverstellung vorn am Gehäuse, Öffnungswinkel bis 180 Grad.
- GEZE TS 3000 V und TS 2000 NV: Schließkraftverstellung seitlich.
Für Schließer anderer Hersteller, etwa die ECO-Serien, gilt dasselbe Vorgehen. Die Zuordnung der Ventile entnehmen Sie der Montageanleitung des jeweiligen Modells, da Anzahl und Reihenfolge abweichen können.
Feststellanlagen: hier endet die Selbstmontage
Ist der Türschließer Teil einer Feststellanlage, also mit Rauchmelder, Haftmagnet oder elektrischer Feststellung kombiniert, gelten andere Regeln. Solche Anlagen unterliegen DIN 14677-1 und dürfen ausschließlich von einer Fachkraft nach DIN 14677-2 instand gehalten werden. Vorgeschrieben ist eine jährliche Fachprüfung, die Auslösung muss dokumentiert werden.
Praktisch heißt das: Schließgeschwindigkeit und Endschlag dürfen an einer Feststellanlage nicht nebenbei nachgestellt werden, weil die Anlage als Ganzes bauaufsichtlich zugelassen ist. Details zu Typen, Prüfintervallen und Tauschzyklen stehen im Feststellanlagen Ratgeber.
Häufige Probleme und ihre Ursache
Die Tür schlägt zu. Der Endschlag ist zu schnell eingestellt. Drosseln Sie ihn in Viertelumdrehungen, bis die Tür sicher, aber ohne Schlag einrastet.
Die Tür bleibt kurz vor dem Rahmen stehen. Entweder ist der Endschlag zu stark gedrosselt oder die Schließkraft für die Tür zu gering. Prüfen Sie zuerst Dichtung und Schließblech, danach die EN-Größe.
Die Tür schließt im Winter deutlich langsamer. Das Hydrauliköl wird bei Kälte zäher. Bei Außentüren ist dieses Verhalten normal. Schließer mit temperaturstabiler Hydraulik gleichen es weitgehend aus, eine dauerhafte Korrektur über das Ventil führt dagegen im Sommer zu einer zu schnellen Tür.
Öl tritt am Gehäuse oder an der Achse aus. Der Schließer ist undicht und lässt sich nicht mehr zuverlässig einstellen. An Brand- und Rauchschutztüren muss er ersetzt werden.
Die Tür lässt sich zu schwer öffnen. Die EN-Größe ist zu hoch gewählt oder die Öffnungsdämpfung setzt zu früh ein. In barrierefreien Bereichen ist ein Freilauf-Türschließer die sauberere Lösung als eine reduzierte Schließkraft.
Häufige Fragen
Kann ich einen Türschließer selbst einstellen?
Ja, bei einem normalen
Obertürschließer an einer gewöhnlichen Innen- oder Außentür. Sie brauchen nur einen
Innensechskantschlüssel und die Montageanleitung des Modells. Gehört der Schließer zu einer
Feststellanlage an einer Brand- oder Rauchschutztür, ist die Einstellung einer Fachkraft
nach DIN 14677-2 vorbehalten.
Wie viele Ventile hat ein Türschließer?
Einfache Modelle haben zwei
Ventile für Schließgeschwindigkeit und Endschlag. Schließer mit Öffnungsdämpfung haben drei,
Modelle mit zusätzlicher Schließverzögerung wie der dormakaba TS 93 vier. Der TS 92 arbeitet
mit zwei unabhängig regulierbaren Ventilen für die Schließgeschwindigkeit.
In welche Richtung drehe ich das Ventil?
Im Uhrzeigersinn wird die
Bewegung langsamer, gegen den Uhrzeigersinn schneller. Drehen Sie in Viertelumdrehungen und
prüfen Sie nach jedem Schritt. Ventile dürfen nicht vollständig herausgedreht werden, weil
sonst Hydrauliköl austritt.
Was bedeutet EN 3 bei einem Türschließer?
EN 3 ist eine
Schließkraftgröße nach DIN EN 1154 und steht für Türen bis etwa 950 mm Breite. Die Größen
reichen von EN 1 bis EN 7. Viele Schließer decken einen Bereich ab, etwa EN 2 bis 5 beim
dormakaba TS 93 oder EN 1 bis 6 beim GEZE TS 4000, und lassen sich darin stufenlos anpassen.
Warum schließt meine Brandschutztür nicht mehr vollständig?
Häufigste
Ursachen sind eine zu stark gedrosselte Endschlagfunktion, eine gequollene oder verschobene
Dichtung, ein verschobenes Schließblech oder ein Schließer mit zu geringer EN-Größe. Eine
Brandschutztür muss aus jeder Öffnungsstellung sicher ins Schloss fallen. Lässt sich das
nicht durch Nachstellen erreichen, ist der Schließer zu ersetzen.
Wie schnell soll eine Tür schließen?
Die Tür soll gleichmäßig
zulaufen und ohne Schlag verriegeln. Bei Türen mit Fluchtwegfunktion und in barrierefreien
Bereichen ist eine langsamere Schließbewegung mit Schließverzögerung sinnvoll, bei
Brandschutztüren steht das sichere Verriegeln an erster Stelle.
Passende Türschließer aus dem Sortiment
- Türschließer dormakaba TS 93 B, EN 2 bis 5, Gleitschienenschließer mit Schließverzögerung und Endschlagregulierung
- Dorma TS 93 Basic, die Einstiegsvariante der TS 93 Reihe
- DORMA TS 73 V, Gestängeschließer mit selbstregulierender Öffnungsdämpfung
- GEZE TS 4000 Türschließer, EN 1 bis 6, Schließkraftverstellung vorn
- GEZE TS 5000 ECline Bandseite, EN 2 bis 6 mit hydraulischer Öffnungsdämpfung
- GEZE TS 3000 V Obentürschließer, EN 1 bis 4, Verstellung seitlich
- ECO Türschließer TS-14 Gelenkarmschließer
Eine Übersicht aller Serien finden Sie in der Kategorie Türschließer, die Auswahlkriterien nach Türbreite, Norm und Bauart erklärt der Türschließer Ratgeber.