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Technischer RatgeberFeststellanlagen & Brandschutz

Feststellanlagen Ratgeber: Aufbau, Genehmigung, Melder und Tausch

  • Eine Feststellanlage hält eine Feuer- oder Rauchschutztür offen und lässt sie bei Rauch, Stromausfall oder auf Knopfdruck selbsttätig schließen.
  • Sie besteht aus Brandmelder, Auslösevorrichtung, Feststellvorrichtung, Energieversorgung und in der Regel einem Handauslösetaster.
  • In Deutschland braucht jede Anlage eine allgemeine Bauartgenehmigung des DIBt. Eingebaut werden darf nur, was dort aufgeführt ist, auch Melder anderer Hersteller.
  • Wie viele Melder nötig sind, hängt vom Abstand zwischen Sturz und Decke, von der Öffnungsbreite und von der Art des Abschlusses ab.
  • Keil oder mechanischer Feststeller sind an Brand- und Rauchschutztüren verboten.

Eine Feststellanlage ist eine Gerätekombination, die das Schließmittel einer Feuer- oder Rauchschutztür kontrolliert unwirksam macht und die Tür beim Ansprechen der Auslösevorrichtung im Brandfall oder bei anderweitiger Auslösung selbsttätig schließen lässt. So stehen Türen in Brandabschnitten im Alltag offen und sind trotzdem geschlossen, wenn es brennt.

Dieser Ratgeber erklärt Aufbau, Genehmigung, Melderanordnung und den Austausch von Rauchschaltern herstellerübergreifend am Beispiel von Hekatron, GEZE, Dorma (dormakaba) und Dictator. Die Verdrahtung der GEZE-Anlagen steht im Ratgeber GEZE-Anschlusspläne, die Bedeutung der Leuchtanzeigen im Ratgeber LED-Anzeigen an Feststellanlagen.

Aus welchen Teilen besteht eine Feststellanlage?

Aufbau einer Feststellanlage an der Tür: Rauchschalter, Zentrale, Türhaftmagnet und Handtaster

Die Bausteine einer Feststellanlage an der Tür. Abbildung aus dem Hekatron Planungshandbuch Feststellanlagen.

BauteilAufgabeBeispiele im Sortiment
Brandmeldererkennt Rauch (Streulichtprinzip) oder Wärme und meldet an die AuslösevorrichtungHekatron ORS 142, Hekatron TDS 247, GEZE GC 152
Auslösevorrichtung und Energieversorgungversorgt die Anlage mit 24 V DC und schaltet die Feststellvorrichtung im Alarm stromlosHekatron FSZ Basis, FSZ Pro, GEZE RSZ 7
Feststellvorrichtunghält die Tür offen: Haftmagnet mit Ankerplatte oder elektrische Feststellung im TürschließerHekatron THM 425 mit Ankerplatte ASS 65
Handauslösetasterschließt die Tür von Hand, ohne die Melder außer Betrieb zu setzenHekatron HAT 02

Bei Hekatron FSZ Basis und FSZ Pro sitzen Energieversorgung, Auslösevorrichtung, Resettaster und Handauslösung in einem Gehäuse. Die FSZ Basis ist laut Hekatron für Anlagen mit bis zu neun Rauchschaltern gedacht, die FSZ Pro für mehr als neun Rauchschalter oder höhere Anforderungen; sie hat zusätzlich eine akustische Signalisierung mit 65 dB.

Noch kompakter sind Türschließer mit eingebauter Anlage. Der GEZE TS 5000 R wird von einer integrierten Rauchschalterzentrale gesteuert und ist für einflügelige Feuer- und Rauchschutztüren zugelassen. Der Dorma TS 93 EMR hat eine Gleitschiene mit elektromechanischer Feststellung, integriertem Rauchmelder und Netzteil.

Bei Toren kommt ein Signalgeber hinzu: Nach der MVV TB brauchen alle Schiebe-, Hub- und Rollabschlüsse in Deutschland eine audiovisuelle Signalisierung, Hekatron nennt dafür den Torsignalgeber TSG 100. Zweiflügelige Brand- und Rauchschutztüren brauchen außerdem eine Schließfolgeregelung nach DIN EN 1158, etwa den Dictator SR 90.

Genehmigung und Normen

In Deutschland regelt das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) Feststellanlagen im Rahmen der Bauordnung. Jede eingebaute Anlage muss vom DIBt genehmigt sein, alle Komponenten müssen in der Bauartgenehmigung geführt und die Kombination dokumentiert sein.

RegelWorum es geht
Allgemeine Bauartgenehmigung (aBG) des DIBt, Nummer Z-6.500-…Planung, Ausführung und Abnahme; welche Geräte zusammen eingebaut werden dürfen. Ältere Anlagen laufen noch unter allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung (abZ) Z-6.5-…
DIN 14677-1 und DIN 14677-2Teil 1: Instandhaltungsmaßnahmen und Tauschzyklen der Brandmelder. Teil 2: Anforderungen an die Fachkraft
DIN EN 14637europäische Norm für elektrisch gesteuerte Feststellanlagen; nicht harmonisiert und in Deutschland bauordnungsrechtlich nicht maßgeblich
DIN EN 1155elektrisch betriebene Feststellvorrichtungen für Drehflügeltüren, auch in Türschließer eingebaut
DIN EN 1158Schließfolgeregler für zweiflügelige Drehflügeltüren
DIN EN 54-7 und DIN EN 54-25Rauchmelder nach dem Streulichtprinzip; Bestandteile mit Funkverbindung
VDE 0833-2zusätzlich, wenn die Auslösevorrichtung auch Teil einer Brandmeldeanlage ist (FstA Typ 2 und 4 nach DIN 14677-1)

Eine Feststellanlage vom Typ 1 ist keine Brandmeldeanlage: Ihre Auslösevorrichtung gehört nur zur Feststellanlage. Viele Zentralen haben trotzdem Alarmausgänge, die FSZ Basis zum Beispiel zwei getrennte. Wie Türschließer nach Größe eingeteilt werden, erklärt der Ratgeber DIN EN 1154: EN-Größe.

Dürfen Hersteller kombiniert werden?

Ja, wenn die Bauartgenehmigung die Kombination aufführt. GEZE nennt für die Anlagen mit Rauchschaltzentrale RSZ 6 und RSZ 7 als Deckenmelder neben dem eigenen GC 152 ausdrücklich den Hekatron ORS 142 mit Sockel. Hekatron schreibt zum Funkrauchschalter ORS 155 F, dass er an Anlagen anderer Hersteller nur eingesetzt werden darf, wenn deren DIBt-Bauartgenehmigung ihn aufführt.

Umgekehrt gilt: Ein Gerät, das nicht in der Genehmigung steht, darf nicht eingebaut werden. Das betrifft auch handelsübliche Rauchwarnmelder.

Wie viele Rauchmelder braucht die Tür?

Entscheidungsdiagramm zur Anzahl der Rauchschalter nach Abstand zur Decke und Türbreite

Wie viele Rauchschalter eine Tür braucht, hängt vom Abstand zwischen Öffnung und Decke und von der lichten Breite ab. Abbildung aus dem Hekatron Planungshandbuch.

Entscheidend ist der Abstand zwischen der Oberkante der Türöffnung und der Decke auf beiden Seiten. Die Werte nach den DIBt-Vorgaben, wie Hekatron und GEZE sie wiedergeben:

SituationMelder
Abstand Sturz bis Decke auf beiden Seiten höchstens 1 m, Drehflügeltür bis 3 m lichte Breite1 Sturzmelder (oder 2 Deckenmelder)
Abstand höchstens 1 m, Drehflügeltür über 3 m oder Schiebe- und Rolltor2 Deckenmelder, auf jeder Seite einer
Abstand auf einer oder beiden Seiten über 1 m2 Deckenmelder und 1 Sturzmelder
Abstand über 5 mDeckenmelder dürfen an einer Konsole (Kragarm) mindestens 3,5 m über der Öffnung sitzen
  • Deckenmelder sitzen 0,5 bis 2,5 m von der Wand entfernt, der Sturzmelder höchstens 0,1 m über der Sturzunterkante, bei zweiflügeligen Türen über dem Gangflügel.
  • Dekorative Unterdecken lassen Rauch in der Regel durch, die Melder gehören dann an die Rohdecke. Die endgültige Entscheidung trifft die abnahmeberechtigte Fachkraft vor Ort.
  • Bei breiten Öffnungen steigt die Zahl der Melder. Hekatron nennt nach DIBt bis 4,6 m Breite je Rauchschalter, Dictator nach EN 14637 bis 4 m. Maßgeblich ist die jeweilige Bauartgenehmigung.
  • Obwohl ein Sturzmelder zulässig ist, empfiehlt Hekatron zwei Deckenmelder: Der Sturzmelder kann im toten Winkel liegen, dann erreicht ihn der Rauch nicht.

Rauch- oder Wärmemelder?

Rauchmelder arbeiten nach dem Streulichtprinzip und reagieren auch auf Staub und andere Schwebeteilchen. Wo betriebsbedingt mit Staub, Rauch oder Dampf zu rechnen ist, etwa in Werkstätten oder Küchen, kann ein Wärmemelder wie der Thermo-Differential-Schalter TDS 247 sinnvoll sein. An Türen in Flucht- und Rettungswegen sind in Feststellanlagen nur Rauchmelder zulässig. Auch an Rauchschutzabschlüssen sollen keine Wärmemelder sitzen, weil sie Rauch nicht erkennen.

Wo Leitungen und Wanddurchbrüche vermieden werden sollen, etwa bei Nachrüstung oder in denkmalgeschützten Gebäuden, gibt es Funksysteme wie das Hekatron ORS 155 F Funkset oder den GEZE GC 172. Die Batterie im ORS 155 F hält laut Hekatron bis zu 8 Jahre und ist wechselbar.

Feststellvorrichtung und Handauslösung

Am häufigsten hält ein Haftmagnet an Wand oder Boden die Ankerplatte am Türblatt. Die Haftkraft gibt es nur mit der passenden Ankerplatte. Hekatron unterscheidet die Standard-Ankerplatte ASS mit 5° Schwenkbereich und die flexible Winkelankerplatte AFS mit 2 × 60° für extreme Einstellungen, zum Beispiel die AFS 65 zum THM 425. Für die Ankerplatte darf die Tür nicht durchbohrt werden, die Angaben des Türherstellers gehen vor.

Ob ein eigener Handauslösetaster nötig ist, hängt von der Feststellvorrichtung und der Genehmigung ab. GEZE-Anlagen wie der TS 5000 R lassen sich auslösen, indem man die Tür von Hand zuzieht; dort ist der Taster optional. Bei GEZE-Haftmagneten der Reihe GT und bei Anlagen mit Freilauf muss ein Taster montiert werden. Wo ein Taster sitzt, gehört er gut sichtbar neben die Tür, darf vom offenen Flügel nicht verdeckt werden und sitzt am besten 140 cm ± 20 cm über dem Boden.

Mechanische Feststellung an Brand- und Rauchschutztüren ist verboten. Ein Keil oder ein Rastfeststeller hält die Tür auch im Brandfall offen, Rauch und Feuer ziehen dann durch. Dorma kennzeichnet seine Rastfeststelleinheit deshalb mit „Nicht für Feuer- und Rauchschutztüren“. Mechanische Türfeststeller für normale Türen behandelt der Türfeststeller-Ratgeber.

Montage, Abnahme und Instandhaltung

Installation und elektrischer Anschluss sind Sache einer Elektrofachkraft. Die Leitungen der Feststellanlage werden getrennt von Starkstromkabeln verlegt, im Handbereich in Schutzrohren.

Nach der Montage folgt die Abnahmeprüfung. Mindestens geprüft wird nach EN 14637, ob die eingebauten Komponenten mit der Liste der zugelassenen übereinstimmen, ob die Tür bei simuliertem Rauch und bei Handauslösung schließt und ob sie auch schließt, wenn die Anlage ausfällt, etwa bei entferntem Melder oder unterbrochener Versorgung. Danach kommt ein Abnahmeschild neben die Tür und der Betreiber erhält eine Bescheinigung. Für die Unterlagen gibt es das Hekatron IW-Set RS mit Prüfbuch und Abnahmeschild.

Die Instandhaltung regelt die DIN 14677-1. Verantwortlich ist der Betreiber, die Wartung übernimmt eine zertifizierte Fachkraft für Feststellanlagen nach DIN 14677-2. Feuerversicherer können verlangen, dass Feuerschutzabschlüsse nach Arbeitsende geschlossen werden; Hekatron rät, das mit dem Versicherer zu klären.

Rauchschalter tauschen: welcher passt in die alte Anlage?

Hekatron empfiehlt, Brandmelder nach den Tauschzyklen der DIN 14677-1 zu wechseln: Melder ohne Verschmutzungskompensation nach 5 Jahren, Melder mit Verschmutzungskompensation wie der ORS 142 nach 8 Jahren, sonst nach Herstellerangabe. Das ist eine Empfehlung des Herstellers; maßgeblich sind die Unterlagen der jeweiligen Anlage.

Bei Hekatron hängt der richtige Ersatz an der Genehmigung der vorhandenen Anlage:

Anlage abgenommen nachErsatz-Rauchschalter
allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung (Z-6.5-…), zum Beispiel mit älteren NetzgerätenRetroFit AT-Produkt, etwa ORS 142 AT; ein anderer Melder kostet die Anlage ihre Zulassung
allgemeiner Bauartgenehmigung (Z-6.500-…), etwa mit FSZ Pro, FSZ Kompakt oder RSZ KompaktStandard-ORS 142, für Neuanlagen und Austausch

Hekatron weist darauf hin, dass bei Anlagen, die älter als etwa 16 Jahre sind, nach dem Meldertausch eine Störung erscheinen kann, weil das alte Netzgerät unter Last weniger als 18 V liefert. Vor dem Tausch die Ausgangsspannung messen lassen. Was die Anzeigen am Melder dann bedeuten, steht im Ratgeber zu den LED-Anzeigen.

Häufige Fragen

Darf ich eine Brandschutztür mit einem Keil oder Türfeststeller offen halten?
Nein. Mechanische Feststellung an Brand- und Rauchschutztüren ist verboten. Soll die Tür offen stehen, braucht sie eine genehmigte Feststellanlage, die sie im Brandfall selbsttätig schließt.


Kann ich einen Rauchmelder eines anderen Herstellers verwenden?
Nur, wenn die Bauartgenehmigung der Anlage ihn aufführt. GEZE nennt zum Beispiel den Hekatron ORS 142 als Deckenmelder für RSZ 6 und RSZ 7. Ein Gerät, das nicht in der Genehmigung steht, darf nicht eingebaut werden.


Welcher Melder passt in staubige Räume?
Hekatron setzt dort den Thermo-Differential-Schalter TDS 247 ein. An Türen in Flucht- und Rettungswegen ist er in Feststellanlagen nicht zulässig, dort gehören Rauchmelder hin.


Brauche ich immer einen separaten Handauslösetaster?
Nicht immer. Bei Anlagen, die man durch Zuziehen der Tür auslösen kann, etwa dem GEZE TS 5000 R, ist er laut GEZE optional. Bei Haftmagneten der GEZE-Reihe GT ist er Pflicht. Die Bauartgenehmigung entscheidet.


Gilt die EN 14637 in Deutschland?
Sie ist nicht harmonisiert und bauordnungsrechtlich nicht maßgeblich. In Deutschland gelten die Bauartgenehmigung des DIBt und für die Instandhaltung die DIN 14677. Hekatron FSZ Basis und FSZ Pro sind zusätzlich nach DIN EN 14637 geprüft.


Wer darf eine Feststellanlage instand halten?
Eine zertifizierte Fachkraft für Feststellanlagen nach DIN 14677-2. Den elektrischen Anschluss übernimmt eine Elektrofachkraft, verantwortlich für den Betrieb ist der Betreiber.